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Fit und mehr

Gesundheit und Wohlbefinden sind mit die wichtigsten Aspekte im Leben. Amara Muna, als ausgebildete Physiotherapeutin, wird Ihnen hier Wissenwertes und Tipps rund ums Thema präsentieren.


 

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INTERVIEW

Varia
Ärztezeitschrift für Naturheilverfahren 45, 7 (2004)
Der orientalische Tanz /Bauchtanz
Gespräch mit Beatrice Hug und Franziska Kroll

Sehr geehrte Frau Hug ,
Sie bieten bei dem 107. ZÄN-Kongress in Freudenstadt einen Bauchtanz-Workshop an. Zum Interview
begleitet sie ihre Kollegin Frau Kroll. Sie sind Physiotherapeutin bzw. Hebamme und beide Dozentinnen
für Orientalischen Tanz. Was ist das Wesentliche, Charakteristische an diesem – für Laien immer noch
sehr märchenhaft anmutenden – Tanz und woher kommt er?


Hug: Der orientalische Tanz verbreitete sich von Indien über die Zigeunerstraßen über Persien, Arabien, über
den Mahgreb bis in das südspanische Andalusien. Neben Zigeuner- und Folkloretänzen wird heute hauptsächlich
der klassisch-ägyptische Stil vermittelt. Der OT kam Ende des 19. Jahrhunderts über die USA nach Europa. Das Wort Bauchtanz hat sich (fälschlicherweise) über das amerikanische „Belly Dance“ entwickelt.
In neuerer Zeit finden sich Einflüsse aus den lateinamerikanischen Tänzen und dem Flamenco. Es fließen
auch Elemente aus Yoga, Shiatsu sowie anderen Stretch- und Entspannungstechniken mit ein.
Der OT ermöglicht Frauen, sich in den verschiedensten Facetten zu erleben und auszudrücken. Ob sinnlich-erotisch, verführerisch mit Schleier, kämpferisch mit Schwert, spielerisch mit Stock oder Zimbeln, elegant,
erdig-zigeunerhaft … die Ausdrucksmöglichkeiten sind unerschöpflich. So kann jede Frau ihren ganz individuellen
Tanz kreieren. Es ist faszinierend, was die Frauen alles aus sich heraus zaubern …, oft zu ihrem eigenen
Erstaunen.


Leitthema des 107. ZÄNKongresses ist „Die Frau in der Medizin“. Gibt es denn auch relevante Querverbindungen
zwischen dem Orientalischem Tanz, der Frau und der Medizin?


Hug: Bereits vor 5.000 Jahren findet sich der OT in rituellen Tempeltänzen. Wichtige Schwerpunkte finden sich
im Zusammenhang mit Menstruation, Schwangerschaft, Geburt und Rückbildungszeit. Ein weiterer wichtiger
Aspekt sind orthopädische Beschwerden, v.a. im Wirbelsäulen-Schulter- Nacken-Bereich. Internistische Funktionsstörungen können verbessert werden. Aber auch neurologische Probleme wie Koordinationsstörungen
oder psychosoziale Schwierigkeiten wie Gruppenintegration können hier aufgegriffen werden.
Natürlich sind auch hier Kontraindikationen zu beachten. Zwar tanzen auch Männer, aber es ist doch in aller erster Linie ein Tanz für und mit Frauen.


Sie sprachen eben einige Indikationen aus dem Bereich der Gynäkologie an. Könnten Sie das noch etwas  präzisieren? Was genau bewirkt der Bauchtanz bei Schwangeren oder bei Frauen in der Menstruation?

Hug: Fangen wir bei der Menstruation an: Menstruationsbeschwerden entstehen häufig durch fehlende Gleitfähigkeit der Organfaszien. Z.B. beim Wachstum von Jugendlichen, nach Unterleibsoperationen oder auch bei internistischen Problemen wie Obstipation. Im OT werden durch das sanfte Bewegen v.a. der LWS, der Organe des großen und kleinen Beckens und der Aktivierung oft bisher unbenutzter Muskulatur diese Gleitfähigkeit wieder hergestellt. Die gesamte Versorgungssituation im kleinen Becken verbessert sich deutlich. Das wirkt sich direkt auf die Organe, aber auch indirekt z.B. auf die Hormonproduktion aus.

Kroll: Bei Frauen in der Schwangerschaft ist es ähnlich. Die Schwangere kann „tanzend“ ihre Körperwahrnehmung verbessern und sich so dem häufig fremden Thema Beckenboden, Geburtskanal ect. nähern. Das Wohlbefinden und Selbstbewusstsein der Frau wird positiv beeinflusst, die Ängste vor der Geburt gemindert. Auch hier wird die Versorgungssituation im gesamten Becken- raum (Gefäß- und Nervenbahnen) durch die Tanzbewegungen verbessert. Unterstützt wird dies durch eine physiologische Atmung.
Das fördert auch eine gute Dehnfähigkeit der Beckenbodenmuskulatur unter der Geburt.

Hug: Die Schulter-Nacken-Muskulatur wird durch die physiologische Tanzhaltung exzentrisch-extensorisch
gekräftigt, die Aufrichtung verbessert und stabilisiert. Die stark hypertone LWS-Muskulatur wird durch bestimmte
Tanzbewegungen gelöst. Gleichzeitig wird durch die isolierten Bewegungen die autochtone WS-Muskulatur
trainiert. Blockierungen der Wirbelgelenke oder der ISG kann so vorgebeugt werden. Diese Zusammenhänge sind
vor allem wegen des aufgelockerten Bindegewebes von Bedeutung. Die Frau kann durch sanfte Tanzbewegungen zu entsprechender Musik eine wunderbare Beziehung zu ihrem Kind aufbauen. Es gibt kaum eine innigere Möglichkeit, zum Ungeborenen in Kontakt zu treten und sich gemeinsam mit ihm zu bewegen. Unruhige Kinder können beruhigt, bewegungsarme Kinder mobilisiert werden.


Hat das sogar Auswirkungen auf die Geburt?


Kroll: Durchaus! Wie oben erwähnt kann der OT im Vorfeld eine Geburt sinnvoll vorbereiten. Sind die Frauen mit den Bewegungen des OT vertraut, habe sie auch unter der Geburt mehr Mut, Bewegung einzusetzten. Der Teufelskreis aus Schmerz-Angst-Verspannung-Schmerz wird so unterbrochen und der Geburtsmechanismus
physiologisch unterstützt. Z.B. wird die physiologische Einstellung des Kopfes, der damit entstehende Druck auf
den Muttermund und die damit zusammenhängende Wehentätigkeit positiv beeinflusst. Die sanft schwingenden
Bewegungen erleichtern den Durchtritt, wie wenn ein zu enger Ring unter leichtem Drehen und Kippen vorsichtig
ausgezogen wird. Frauen, die sich mit OT beschäftigt haben und ihren Körper kennen, können sich unter der Geburt aktiver, eigenverantwortlicher und selbstbestimmter verhalten. Sie (die Gebärenden) sind besser in der Lage, mit Schmerz umzugehen, und setzten oft instinktiv die richtigen Bewegungen ein. Und wie steht es mit der Rückbildungszeit? Kroll: Alle Elemente der klassischen Rückbildungsgymnastik lassen sich in Bewegungssequenzen des OT integrieren. Dazu gehört natürlich auch richtiges warm up und cool down. Das Schöne daran ist, dass die Frauen viel lieber solche Tanzbewegungen in ihren Alltag integrieren, als sich extra auf die Matte zu legen und Übungen zu machen. Hug: Im OT wird die gesamte Rumpfmuskulatur stimuliert. Vor allem die untere Bauchmuskulatur, auch der wichtige und oft vernachlässigte M. transversus abd. wird eingesetzt. Dieser und die untere gerade und schräge Bauchmuskulatur arbeitet synergistisch mit dem Beckenboden. Die aufrechte
Haltung fördert eine physiologisch-reflektorische Aktivität des Beckenbodens. Aufbauende Tanzbewegungen können sowohl langsam als auch schnell arbeitende Muskelfasern in Ausdauer bzw. Kraft und Schnelligkeit trainieren. Durch die Bewegung des gesamten Bauchraumes wird die Zurückverlagerung der Organe positiv gefördert. Durch die Stabilisierung und Mobilisierung der Brustwirbelsäule wird der kyphotischen Stillhaltung entgegengewirkt. Isolationstechniken kräftigen dabei die autochtone WS-Muskulatur. Auch die vegetativen Nervenfasern werden durch die Thoraxbewegungen mobilisiert und die Milchproduktion positiv beeinflusst.


Bei welchen anderen gynäkologischen Indikationen zeigt der Orientalische Tanz noch positive Wirkungen?


Hug: Auch bei Inkontinenz oder nach Ektomien oder in der Menopause zeigt der OT positive Wirkungen.
Kroll: Ein großer Effekt liegt übrigens darin, dass die Frauen ungeniert und unabhängig von ihrer Figur in einem
geschützten Rahmen miteinander tanzen und Spaß haben. Die medizinischen Aspekte fließen spielerisch und nicht
vordergründig ein.


Und sonst? Wo kann der Orientalische Tanz heute noch – als „nicht invasives medizinisches Instrument“ sozusagen – zum Einsatz gebracht werden?

Hug: Ein weiteres großes Einsatzfeld liegt im orthopädischen Bereich. Die meisten Frauen äußern ganz klar eine
deutliche Besserung ihrer Beschwerden. Z.B. nach Bandscheibenprolaps können die meisten Frauen erstaunlich gut tanzen. Obwohl man zunächst denken würde: so viel Bewegung verursacht höchstens den nächsten Prolaps. Allerdings sollte in solchen Fällen die Dozentin eine entsprechende medizinische Ausbildung haben oder in engem Kontakt zu einer solchen Person stehen, um evtl. auftretenden Schwierigkeiten abzuklären!
Durch eine gute Tanztechnik stellen sich die verklebten Fascien, die insuffiziente Muskulatur und die durch den
Schmerz blockierte WS-Gelenke wieder in ihrer normalen Funktion ein, ähnlich wie bei der Rückbildung. Dadurch
können Spätfolgen deutlich verringert werden, was ja auch eine wesentliche Kostenersparnis für die Allgemeinheit bedeutet! Durch die Aufrichtung erfahren gerade Frauen, die viel am Schreibtisch arbeiten, große Erleichterung. Sie kräftigen tänzerisch ihre Scapula- und BWS-Muskulatur. So entlasten sie die HWS. Und sie lernen, sehr viel schneller zu spüren, wenn sie in eine unphysiologische Haltung zusammensinken. Also auch hier ein stark präventiver Charakter. Vielleicht noch zu einer relativ „neuen“ Erkrankung des rheumatischen Formenkreises, der Fibromyalgie: Die Frauen bekommen durch die sanften Bewegungen endlich wieder Mut, sich überhaupt zu bewegen, denn für sie bedeutet fast jede Bewegung „Schmerz“. Außerdem gibt es bei dieser Erkrankung häufig große Koordinationsschwierigkeiten. Im OT wird von Fingerspitzen zu Fingerspitzen und vom Scheitel bis zur Sohle alles in die Wahrnehmung mit einbezogen. Durch die vielen Über-Kreuz-Bewegungen und Isolationstechniken werden beide Gehirnhälften verknüpft, Koordination und Gleichgewicht extrem gefördert. Das löst nicht nur bei Fibromyalgiepatientinnen ein unglaubliches Aha-Erlebnis aus. Für mich übrigens immer einer der schönsten Augenblicke: Wenn eine Frau eine neue Bewegung erspürt und umgesetzt hat. Diese Freude in den Gesichtern ist wunderbar!
Die Frauen erleben sich wirklich neu, haben Spaß in der Gruppe mit anderen Frauen. Viele bleiben jahrelang dabei,
weil sie das Gefühl haben, sonst „einzurosten“ oder die alten „Macken“ wieder auftauchen.

Frau Hug, Frau Kroll, haben Sie vielen Dank für dieses interessante Gespräch.


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